Angst oder Intuition: Erkennst Du den Unterschied?

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Immer mal wieder bekomme ich dieses komische Gefühl im Bauch. Dass da irgendetwas hakt. Vor allem bei großen Entscheidungen, die viel bewegen. Aber recht schnell merkte ich dann, dass ich mir die falsche Frage stellte. Es geht nicht darum, ob die Entscheidung richtig oder falsch ist. Es geht darum herauszufinden, ob dieses Gefühl die blanke Angst davor ist oder meine Intuition, die mich vor einem Fehler bewahren will.

Meiner Intuition vertraue ich mittlerweile blind. Wir zwei sind wie siamesische Zwillinge. Wo sie hingeht, da geh auch ich hin. Es mag Momente geben, in denen ich sie nicht so gut hören kann, weil es um mich herum so laut und wuselig ist, aber sobald ich mir Raum zum Atmen nehme, höre ich sie klar und deutlich.

„DA LANG!“, sagt die Intuition, ohne auch nur einen Hauch Zweifel.

Obwohl ich oft keinen Schimmer habe, warum und vor allem wohin sie mich führt – ich habe gelernt, ihr zu vertrauen. Weil sie mich noch nie im Stich gelassen hat.

Darin liegt auch der klare Unterschied zur Angst: Von unserer unbeliebten Bekannten „Angst“, die sich immer mal wieder versucht, dazwischen zu drängen, und ungefragt ihre Meinung in Dein Ohr quietscht, hören wir nur all die Horror-Storys. Angst ermutigt dich nicht, sie lähmt dich. Sie macht sich eher klein und bewegungsunfähig.

Die Ituition ist weise und vorausschauender, klar, heller, wohlwollend, optimistischer als die Angst.

Es gibt zwei Arten von Angst..
Die eine ist sinnvoll.

Als ich zum Beispiel nachts in Indonesien einem zähnefletschenden Hund begegnet bin, sagte meine Angst, ich solle mich schnell aus dem Staub machen. An dieser Stelle war sie sinnvoll.

Dann gibt es da aber noch eine andere Sorte von Angst. Und die Momente, in denen Du Dein Leben grundlegend veränderst, waren und kommen in den wenigsten Fällen ohne sie aus.
Diese schwammige, oft leicht irrationale Angst.
DIE ANGST, ZU VERSAGEN. DUMM ZU WIRKEN. MICH LÄCHERLICH ZU MACHEN. 
Aber diese Angst ist in den meisten Fällen einfach nur ne faule Socke, die lieber mit den Chipskrümeln auf dem Pulli auf der Couch vor Netflix gammeln will, als auch nur einen Schritt raus aus der Tür und der Komfortzone zu machen. Ich kenn sie. Ich weiß genau, wie sie tickt.

Die würde ich gerne mal aus meinem inneren Team schmeißen. Sie nervt mich ungemein. Aber wie es im echten Leben mit Menschen eben auch ist:

WIR KÖNNEN ES UNS NICHT IMMER ZU 100 % AUSSUCHEN, MIT WEM WIR ABHÄNGEN. ABER WIR KÖNNEN IMMER ZU 100 % ENTSCHEIDEN, WEM WIR UNSERE AUFMERKSAMKEIT SCHENKEN.

In schwierigen Situationen versuche ich daher zu filtern, wer gerade auf mich einquatscht:
 
ANGST ODER INTUITION – MEIN FILTERSYSTEM
Viele Menschen bleiben im Leben stecken. Nicht, weil es Wände gibt, die sie einsperren. Sondern weil sie sich – angeblich aus Angst – nicht mehr aktiv von der Stelle bewegen. (Und nennen sie dann verharmlosend Intuition.)

Aber ist sie das wirklich?

Seit etwa fünf Jahren ist folgende Frage mein allererster Checkpoint, wenn ich versuchen will, herauszufinden, was da an mir nagt. Ich versuche, rational an die Sache ranzugehen. Das lässt mich schon mal filtern, ob es sich hier um eine rationale Angst handelt, die ihre Berechtigung hat:
 
WAS IST DAS SCHLIMMSTE MÖGLICHE ERGEBNIS UND WIE WAHRSCHEINLICH IST ES?
Der zähnefletschende Hund? Äh, eine Bisswunde. Relativ wahrscheinlich. Lauf weg.

Die Möglichkeit, mit einem Kunden reinzufallen, der mir irgendwie nicht ganz geheuer ist? Zeit in ein Projekt zu investieren und sie nicht wiederzubekommen?
Durchaus möglich. Hier versuche ich, eine Pro-und-Kontra-Liste zu erstellen aus allen Aspekten, die mir dieses Gefühl gegeben haben, und den positiven, die für das Projekt sprechen. Rational entscheide ich dann danach, welche Seite länger ist.
Mich für etwas, an dem ich wachsen kann, aus meiner Komfortzone zu bewegen? Dinge zu tun, die ich sonst nie tue? Hm… das Schlimmste, was mir passieren könnte, ist, mich dabei nicht wohlzufühlen. Ist nicht toll, keine Frage, aber geht vorbei.

Bringt’s mich um? Nö.

WIE WÜRDE ES SICH ANFÜHLEN, WENN ICH DIESE SITUATION MEIDE – WÜRDE ICH ES BEREUEN?
Das ist mein Schaukelstuhltest, den ich – bewusst oder unbewusst – auch schon ein paar Jahre nutze. Dabei frage ich mich selbst:
Wie würde ich mich fühlen, wenn ich mit 80 im Schaukelstuhl auf meiner Veranda sitzen und an diesen Moment zurückdenken würde?
Würde ich mich dafür in den Popo beißen, vor dem Hund weggelaufen zu sein?
Hahaha… sicher nicht!


Würde ich überhaupt noch wissen, um welchen Kunden es ging?
Eher unwahrscheinlich.
Würde ich es bereuen, nicht aus meiner Komfortzone getreten zu sein?
Hier wird’s jedes Mal für mich knifflig, denn hier geht es zähneknirschend für mich an meinen Kern. Ich kann mich nun belügen und mir einreden, es kommt sicher noch mal eine Gelegenheit dafür. Aber ich bin oft ehrlich genug mit mir selbst, dass ich das nicht weiß. Vielleicht habe ich nicht den Luxus, diesen Schaukelstuhl zu erreichen. Vielleicht bietet sich keine weitere Chance wie diese.

Tatsache ist, sie ist jetzt da. Und ja, in mehr Fällen als nicht würde ich es bereuen. Es gibt nichts Schlimmeres für mich als das: den Gedanken, später etwas in meinem Leben nicht getan zu haben, wenn ich die Gelegenheit dazu gehabt hätte.
Wäre ich froh und erleichtert darüber, mit den Chipskrümeln gemeinsam auf der Couch geblieben zu sein?
Autsch. Sehr wahrscheinlich nicht.


HÄLT DICH DEINE ANGST KLEIN ODER SAGT DIR DEINE INTUITION, WAS DAS RICHTIGE FÜR DICH IST?
Wenn ich dann schon so tief in mir drin in der Wunde pule, kann ich mir auch gleich den Rest geben und die nächsten Fragen ehrlich beantworten:
Was gibt mir wirklich dieses unwohle Gefühl?
Spätestens, wenn ich „teste“, wie sich diese beiden Entscheidungen anfühlen würden, merke ich recht schnell, was mich ausbremst.
Ich weiß, wann ich eigentlich nur Angst davor habe, zu versagen, und wann ich merke, dass da etwas nicht stimmt. Ich weiß, dass ich manchmal sehr bequem sein kann. Ich weiß, dass ich mich viel häufiger selbst ausbremse als andere oder echte Gefahren.

Ich weiß auch, dass ich mich nicht länger im Leben ausbremsen lassen will.
Weder von mir noch von anderen.
 
WACHSTUM IST IMMER AUCH MIT WACHSTUMSSCHMERZEN VERBUNDEN.
Das ist eine Lektion, die ich in den letzten Jahren gelernt habe. Keine Entscheidung ist einfach, und keine kommt ohne Konsequenzen aus. Sie mögen manchmal anstrengend, unbequem, vielleicht sogar schmerzvoll sein – aber meine waren bisher vor allem eines: lehrreich.
Wenn Du Dich also mal wieder fragst, was Dich ausbremst und ob das, was Du da als Stimme in Deinem Kopf ständig dazwischen quatschen hörst, Angst oder Intuition ist, dann erinnere Dich an Folgendes:

Angst steckt in Deinem Kopf. Intuition kommt aus Deinem Herzen.

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